Fischerteppiche
Pommersche Fischerteppiche sind ein einmaliges Kunsthandwerk in Europa. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als Zubrot für die Fischer entwickelt, waren sie zu DDR-Zeiten im Gebiet der Inseln Rügen und Usedom sowie des Küstenstreifens zwischen Stralsund und Ückermünde ein Broterwerb für viele Frauen, so auch in Lassan. Die in der Ackerbürgerei vorhandenen Teppiche sind in den letzten sechs Jahren meist aus handgesponnener Wolle von eigenen Schafen entstanden.
Zur Geschichte der Fischerteppiche:
Nach dem ersten Weltkrieg erlitt die Küstenfischerei eine schwere wirtschaftliche Krise und der Landrat der Kreisverwaltung Greifswald sann über eine Möglichkeit, den Fischern ein Zusatzeinkommen zu verschaffen. Da die Fischer durch das Netze knüpfen und die Segelmachrei über handwerkliches Geschick verfügten, wurde ein Experte gesucht, der sie in der Teppichknüpferei ausbilden sollte. Alte Fußmatten, aus Abfallmaterial geknüpft, zeugen davon, daß die Knüpftechnik auch in dieser Region schon bekannt war. Dafür wurde der Teppichexperte Rudolf Stundl gefunden, der neben dem gewerblichen Verdienst für die Fischer die nordische Tradition der Teppichkultur mit den heimatlichen Gegebenheiten in den Fischerdörfern zusammenführen wollte. In Freest organisierte Stundl 1928 Knüpflehrgänge und der Dorftischler fertigte nach seinen Angaben die ersten Knüpfstühle an. Bis 1934 wandelte sich die anfängliche Notstandsarbeit zu volkskünstlerischem Schaffen. In der „Pommerschen Fischer-Teppich-Heimindustrie“ fanden viele eine sichere Existenz.
Auffälliges Merkmal der Pommersche Teppiche ist die konsequente Weiterführung ornamentaler Gestaltungsweisen. Formmotive wie Möwe und Anker, Fisch und Wellen als Symbole der Lebenswelt der Fischer sind in feste ornamentale Strukturen eingebunden, die als Ganzes den Teppichcharakter bestimmen. Das ornamentale Gefüge und der Teppichgrund verschränken sich und schlagen in Zusammenhang mit der Farbauswahl häufig in der Beziehung von Figur und Grund um. Die Klarheit, Strenge und Herbheit der Gestaltung entspricht dem Lebensgefühl der Küstenbewohner und gibt den Teppichen ihre unverwechselbare Eigenheit.
Als Material wird Hanf für die Kette, Baumwolle für den Zwischenschuß und strapazierfähige, sehr dicke Wolle für die Knüpferei mit persischen Knoten verwendet. Ein Quadratmeter besteht aus 57.600 Knoten und eine erfahrene Knüpferin benötigt dazu 150 Stunden, angefangen vom Zeichnen der Mustervorlage, dem Spannen der Kette, über das Schneiden und Einknüpfen der Fäden, dem Einweben der Schußfäden bis hin zum abschließenden Scheren des Flors und Knotens der Fransen.
Während des zweiten Weltkrieges kam die Teppichknüpferei fast vollständig zum Erliegen, doch schon 1953 stellte die Produktionsgenossenschaft „Volkskunst an der Ostsee“ wieder handgeknüpfte Wandteppiche, Brücken und Sitzkissen her, die nicht selten als offizielle Staatsgeschenke der DDR überreicht wurden.
Nach der politischen Wende ging die PGH in Konkurs. Heute ist die Teppichknüpferei nur noch Bestandteil regionaler Traditionspflege und wird auch in Heimatstuben in Freest, Mölschow praktiziert.


